Einschätzung des Hörverlustes GdB?

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aktionline
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Einschätzung des Hörverlustes GdB?

#1

Beitrag von aktionline »

Ich habe eine Frage: Ich hatte Probleme mit meinem Hörgerät. Zuerst dachte ich, es sei defekt, weil es mir zu leise vorkam. Der Akustiker konnte das Gerät jedoch nicht programmieren; laut Einstellprotokoll ist die Verstärkung bereits maximal. Da das Hörgerät sieben Jahre alt ist, war ein Hörtest sinnvoll.

Diesen habe ich beim HNO-Arzt durchführen lassen. Dort wurde eine deutliche Verschlechterung festgestellt. Weil ich das nicht glauben wollte, habe ich den Test auch beim Hörakustiker wiederholen lassen – die Kurven waren ähnlich. Die beiden unteren Kurven konnte ich nicht verstehen. Ein neues Hörgerät mit besserer Verstärkung muss her. Tinnitus ist für mich besonders störend; Hörprobleme aufgrund meines Berufs spielen bislang eine eher untergeordnete Rolle. Da ich mich beruflich neu orientiere, möchte ich nun auch Angelegenheiten wie den Grad der Behinderung (GdB) klären. Bisher habe ich noch nie einen Antrag wegen Schwerhörigkeit gestellt.

Ich füge die Hörtestergebnisse bei und würde gerne wissen, ob ich dafür einen GdB erhalten könnte bzw. ob sich ein Antrag lohnt. Vielen Dank!
Hörkurve.jpg
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Sheela2016
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9

Re: Einschätzung des Hörverlustes GdB?

#2

Beitrag von Sheela2016 »

Hallo,
das wird sich auf jeden Fall lohnen.
Das müsste bestimmt ein gdb von 70 sein.
Meine Hörkurve ist besser und ich habe 50.
Jedoch wird das Amt eher den Sprachtest zum auswerten nehmen.
Gruß
Ohrenklempner
Beiträge: 11863
Registriert: 20. Feb 2015, 13:08
11

Re: Einschätzung des Hörverlustes GdB?

#3

Beitrag von Ohrenklempner »

Hm, der Hörverlust ist ja wirklich eine Hausnummer. Leider sagt mir das "H" bei 1 kHz nichts und ich kann nicht einschätzen, ob die Knochenleitungshörschwelle wirklich gemessen ist. Die Pegel sind links und rechts verdächtig ähnlich und man könnte vermuten, dass die Kurve außerhalb der Leistungsgrenze liegt bzw. die Fühlschwellen dokumentiert sind. Wenn es wirklich die richtige Knochenleitungshörschwelle ist (das Audiogramm beim Akustiker könnte aussagekräftiger sein!), dann besteht die Möglichkeit, dass ein Teil der Schwerhörigkeit im Mittelohr seine Ursache hat. Möglicherweise kann man das operativ beheben und aus dem an Taubheit grenzenden Hörverlust könnte bestenfalls ein "nur noch" hochgradiger Hörverlust werden.

Das Sprachaudiogramm sagt, der Hörverlust für Zahlen ist rechts ca. 85 dB und links ca. 85 dB. Ein Wortverstehen für Einsilber war bei 100 dB rechts bei 10% und links bei Null. Möglich, dass bei höheren Pegeln auch noch mehr Sprachverstehen zu erreichen ist.

Ich würde mir als nächsten Schritt erst einmal andere Hörgeräte verpassen lassen und schauen, ob damit noch eine Verbesserung erreicht werden kann.
...zufällig bin ich Experte auf diesem Gebiet... 🤓

Zu audiologischen Ratschlägen, Anpassberatungen oder Hörgeräte-Offerten fragen Sie nicht mich sondern Ihren Hörakustiker (m/w/d)! 👍
emilsborg
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Re: Einschätzung des Hörverlustes GdB?

#4

Beitrag von emilsborg »

Die Angaben aus dem Sprachaudiogramm sind sehr dürftig in Bezug auf die vorgegebenen 60/80/100 dB für Einsilber (W) und was mich noch sehr stutzig macht sind die Ergebnisse für die mehrsilbigen Zahlwörter (Z).
Grundsätzlich dürfte damit so wie dokumentiert GdB 70 eigentlich automatisch schon durch die Schwerhörigkeit alleine erreicht werden. Mit dem Tinnitus könnte je nach Beschwerdelage und daraus resultierenden Einschränkungen auch potenziell ein GdB 80 im Bereich des Möglichen liegen. Das und ob die dokumentierten Sprachaudiogrammdaten als ausreichend angesehen werden durch den Gutachter sind aber nur Annahmen die erst einmal erhärtet werden müssen.
Man weiß selten, was Glück ist, aber man weiß meistens, was Glück war. (Françoise Sagan)
aktionline
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Re: Einschätzung des Hörverlustes GdB?

#5

Beitrag von aktionline »

Vielen, vielen Dank.
Im Audiogramm sind bei den oberen Graphiken die Randwerte unter 0,25 kHz und über 6 kHz tatsächlich nicht erfasst. Mir wurde gesagt, dass diese Frequenzen nicht berücksichtigt wurden, da ich sie nicht höre. Deshalb wurden offenbar Platzhalterwerte eingetragen.

Ich habe ein neues Hörgerät mit Bluetooth zum Ausprobieren bekommen, und es ist eine große Hilfe. Laut meinem Akustiker lag meine Verständlichkeit vorher (bei maximaler Hörgeräteverstärkung) bei etwa 50 %, mit dem neuen Gerät liegt sie nun bei 80 %. Durch eine Frequenzverschiebung kann ich jetzt auch tiefe und hohe Töne wahrnehmen, was meinen Alltag erleichtert.

Der Tinnitus belastet mich jedoch sehr stark. Ich war ein jahrlang in einer psychischen Tinnitus‑Therapie. Er macht mir so zu schaffen, dass ich mich sogar entschieden habe, getrennt zu leben, weil ich das Schreien meiner eigenen Kinder nicht mehr ertragen konnte und keine Möglichkeiten zur Rückzugs‑ oder Entlastung mehr fand. Das tut mir sehr weh, und ich bin oft traurig und überfordert damit.

Ich versuche jetzt, mich beruflich neu zu orientieren. Ich möchte diese Chance nutzen, um meine gesundheitliche, soziale und finanzielle Situation zu verbessern, unter anderem durch die Inanspruchnahme von Fördermöglichkeiten. Für jegliche Tipps bin ich sehr dankbar.
Sheela2016
Beiträge: 109
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9

Re: Einschätzung des Hörverlustes GdB?

#6

Beitrag von Sheela2016 »

aktionline hat geschrieben: 17. Mär 2026, 12:42
Der Tinnitus belastet mich jedoch sehr stark. Ich war ein jahrlang in einer psychischen Tinnitus‑Therapie. Er macht mir so zu schaffen, dass ich mich sogar entschieden habe, getrennt zu leben, weil ich das Schreien meiner eigenen Kinder nicht mehr ertragen konnte und keine Möglichkeiten zur Rückzugs‑ oder Entlastung mehr fand. Das tut mir sehr weh, und ich bin oft traurig und überfordert damit.
Das tut mir wirklich sehr Leid 😭

Ich hatte auch eine lange Phase mit Tinnitus in Gesprächslautstärke….schlimm war das.
Habe in der Zeit viele Hörbücher in höherer Lautstärke gehört, sowie per Stream über Hörgeräte im Alltag immer Klänge/Musik gewählt,die zum Tinnitus passte.
Das ging gern mal ganze Tage so.
Das war eine Ablenkung von dem Dauerton.
Aber ich habe zwei Kinder…
Ich kann sehr gut verstehen, wenn man die sozialen Kontakte zusätzlich sehr anstrengend empfindet.

Stressredzierung, weibl Hormonveränderung, Veränderung im Job, neue Hörgeräte, Osteopath…
haben mein Gehör und die Hirnarbeit entlastet…
mein Tinnitus ist nun weniger.

Alles Gute für dich!

Bedenke, dass du auch Anspruch auf eine Woche mehr Urlaub bei gdb ab 50 hast….schafft auch mehr Pausen vom Joballtag.
aktionline
Beiträge: 3
Registriert: 15. Mär 2026, 19:35

Re: Einschätzung des Hörverlustes GdB?

#7

Beitrag von aktionline »

Sheela2016 hat geschrieben: 17. Mär 2026, 18:14 Stressredzierung, weibl Hormonveränderung, Veränderung im Job, neue Hörgeräte…
haben mein Gehör und die Hirnarbeit entlastet…
mein Tinnitus ist nun weniger.
Ablenkung schien zu helfen, bis mir auffiel, dass ich immer intensivere Reize brauchte. Ich leide an schmerzhafter Arthrose, und die Schmerzen haben mir beim Ablenken geholfen, sodass ich Schmerzmedi ofteren nicht mehr nahm. Gleichzeitig frage ich mich, ob ich dadurch eine Art „Schmerzabhängigkeit“ entwickelt habe: Ich empfand die Schmerzen zeitweise als Ausweg, weil sie angenehmer waren als der Tinnitus. Das führte dazu, dass die Schwelle für wirkungsvolle Ablenkung immer weiter anstieg und ich unbewusst nach mehr Stress suchte, was meiner Gesundheit schadete. Deshalb habe ich mich an ein Tinnitus-Therapiezentrum gewandt, um aus dieser Spirale herauszukommen. Nun habe ich dauer Musik, oder Gespräche im hintergrund, auch wenn ich nicht zuhöre. Das hilft.

Es tut gut zu sehen, dass andere verstehen, was man durchmacht. Manche Dinge kann man nur nachvollziehen, wenn man sie selbst erlebt hat. Tinnitus ist sicherlich eine davon.
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