Hallo, ich habe mich heute angemeldet und möchte mich kurz vorstellen.
Ich bin 47 Jahre alt, seit 15 Jahren schwerhörig und Hörgeräteträger beidseits.
Inzwischen bin ich hochgradig Schwerhörig und trage rechts und links Phonak Una SP AZ Hörgeräte mit Acryl Schalenotoplastiken.
Ich komme mit den Geräten gut zurecht, trotzdem stehen demnächst mal wieder neue Hörgeräte an
Viele Grüße
axel
Hochgradig, an Taubheit grenzend, Schwerhörig
Hörgeräte: Beidseitig Phonak Naida UP
Seit Sommer 2018, durch Unfall, beidseitig Hüftexartikuliert
Vollständig beinlos
Rollstuhlfahrer
ich bin ebenfalls ganz neu hier und das nicht nur im Forum, sondern auch was meine beginnende Schwerhörigkeit angeht.
Seit ich den letzten Test gemacht habe und vom HGA die Auskunft bekam, "es ist soweit, noch reicht es nicht für HGs, aber das nächste Mal", stelle ich mich darauf ein. Noch fühle ich mich komplett überfordert, was die verschiedenen Modelle, Hersteller und Extras angeht, worauf man achten muss, welches System für welche Art von Schwerhörigkeit am besten sei, welche Kosten auf mich zukommen usw.
Dass ich Probleme beim Verstehen habe, ist mir schon seit ca. 2 Jahren aufgefallen. Hinzugekommen ist, dass ich häufiger nachfragen muss und auch manche Worte komplett falsch verstehe, also nicht nachfrage. Die dadurch entstehenden Missverständnisse sind ja manchmal auch lustig, belasten mich aber zunehmend. Einen Termin beim HNO habe ich Ende Septmeber. Ich bin gespannt.
Dass eine Erstanpassung Monate dauern kann/wird, ist mir inzwischen klar. Wie war es bei Dir? Wie oder wodurch wurde Dir klar, dass Du schlechter hörst? Inzwischen bist Du stark schwerhörig - wie schnell verlief dieser Prozess? Und noch eine Frage zu den Otoplastiken: hast Du sie gleich vertragen und Dich daran gewöhnt?
Hallo Tosca,
vorab erst einmal:
"Willkommen im Club"
und dann zu den Fragen, die stets aufkommen, wenn "Verstehfähigkeit" abnimmt.
Und da geht es zu allererst - bei typischer Entwicklung - um die Abnahme der Sprachverständlichkeit bei Umgebungsgeräuschen und in größeren Personengruppen.
Für die bestmögliche Wiederherstellung dieser Hörkompetenz muss ein Mitglied und Beitragszahler einer gesetzlichen Krankenkasse nix - außer der "Rezeptgebühr" - dazubezahlen.
Das bedeutet:
wieder bestmöglich hören und verstehen, das kostet - fast - nix, weil das bereits über die geleisteten Krankenkassenbeiträge bezahlt ist.
ABER:
wer auf Komfort Wert legt ("möglichst viel automatisch", kabellos verbinden mit Fernbedienung, Handy, TV, Stereoanlage, Akkubetrieb, etc.), und / oder Design ("möglichst klein und chic und fein"), der gerät sofort raus aus dem "all-inclusive-sorglos-Paket" der Krankenkasse, die sonst für die nächsten 6 Jahre alle privaten Kosten (außer Hörgerätebatterien) für Risiken und Nebenwirkungen des bestimmungsgemäßen Gebrauches vermeidet. Das sollte also wohl abgewogen werden. Kurz und deutlich:
"bestmögliches Verstehen" geht aufzahlungsfrei. Wer anderes behauptet, der will abzocken.
Hintergrund (lässt sich im Internet finden): HilfsM-Rl §19
Viel Glück
wünscht
Gewichtl
ganz wichtig ist die Sache entspannt und aufgeschlossen anzugehen. Es kein Makel Schwerhörig zu sein und es ist auch nicht schlimm Hörgeräte zu tragen, ganz im Gegenteil. Ich setze meine Hörgeräte morgens als erstes ein und Abends als letztes aus, sie sind ein Teil von mir und ergänzen meine nicht mehr funktionsfähigen Ohren. Ich benötige sie, bin auf sie angewiesen, sie ermöglichen mir, trotz hochgradiger Schwerhörigkeit eine gute Kommunikation.
Bei mir fing es auch so an, dass es mir immer schwerer fiel Gespächen mit mehreren Leuten in Kneipen, Restaurants, Bars, Kinokasse etc.zu folgen. Auch verstand ich Frauenstimmen immer schlechter, musste oft nachfragen und verstand Worte falsch.
Ich wartete aber viel zu lang bis ich endlich zu einer Ohrenärztin ging, diese Stelle eine mittelgradige Schwerhörigkeit fest und verschrieb mir zwei Hörgeräte.
Daraufhin ging ich zu einer Akustikerin und begann die Anpassung, ich machte am Anfang den Fehler, wie viele, das ich möglichst unauffällige Hörgeräte wollte, das war mir wichtiger als die Funktion, stelle aber während der Anpassung fest, daß Funktion und Nutzen natürlich das wichtigste sind. Die Anpassung dauerte bei mir ca. 6 Wochen, dann hatte ich die für mich beste Lösung gefunden.
An die Otoplastiken habe ich mich schnell gewöhnt, ich trug am Anfang harte Acryl Otoplastiken ,
in Ringform, seit ich hochgradig schwerhörig bin, trage ich harte Acryl Otoplastiken in Schalenform.
Klar waren sie am Anfang ungewohnt und ein Fremdkörper im Ohr, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt, dabei hilft tragen, tragen, tragen. Nach relativ kurzer Zeit spürte ich sie kaum noch. Heute sind sie ein Teil von mir und ich spüre sie überhaupt nicht mehr, obwohl meine Schalen ja den gesamten Gehörgang und die gesamte Ohrmuschel bedecken und abdichten.
Der Verschlechterungsprozess dauerte ca. 5 Jahre, seit knapp 10 Jahren bin ich hochgradig schwerhörig, komme aber, dank meiner tollen Hörgeräte, gut damit zurecht
Also wichtig, gehe die Sache locker und offen an, die Hörgeräte werden Deine Situation sehr verbessern. Gehe auch von Anfang an offen damit um, denn sie sind genauso normal wie Deine Brille.
Meine Frau findet die Hörgeräte an mir eher interessant, als störend, ist ja auch klar, was sollte störend sein, meine Ohrmuscheln sind ausgefüllt von dezentem rosa Kunststoff, daraus verlaufen transparente Schläuche zum meinen modern und chic aussehenden silbernen Hörgeräten hinter den Ohren. Alles in keiner Weise störend, sonder eben toll, da sie mich hören lassen.
Viele Grüße
Axel
Hochgradig, an Taubheit grenzend, Schwerhörig
Hörgeräte: Beidseitig Phonak Naida UP
Seit Sommer 2018, durch Unfall, beidseitig Hüftexartikuliert
Vollständig beinlos
Rollstuhlfahrer
vielen, vielen Dank für Eure Antworten - sie helfen mir sehr und bestätigen mich darin, die Schwerhörigkeit zu akzeptieren und etwas dagegen zu tun. Bei der letzten Hörprobe ist meine Kurve schon auffällig in den kritischen Bereich gerutscht (Hochtonschwerhörigkeit), so dass ich Zeit hatte, mich darauf einzustellen. Jetzt bin ich gespannt, ob der HGA recht haben wird, als er mir prophezeite, dass ich in einem halben Jahr HG brauchen würde. Ende Sept. wird der Test bei der HNO-Ärztin gemacht. Meine Verständigungsprobleme sind jedenfalls nicht von allein besser geworden... ha, ha.
Deiner Empfehlung werde ich folgen, Gewichtl, und gezielt nach zuzahlungsfreien Geräten fragen. Ehrlich gesagt, sind mir die Kosten mit 1.000 und mehr Euro pro Gerät auch viel zu hoch. Auch gehöre ich nicht zu den Dauer-Handy-Benutzern und muss nicht alles ausprobieren, was die neueste Technik bietet.
Vielen Dank besonders an Dich, Axel, dass Du Deine Erfahrungen geschildert hast! Der offensive Umgang mit HGs ist sicher wichtig und inzwischen wohl auch zeitgemäß - nach meiner Beobachtung sitzt die nächste Schwerhörigengeneration schon in den Startblöcken. Ich erlebe täglich in der S-Bahn die viel zu laute Dauer-Musik-Beschallung per Kopfhörer bei 20-30jährigen; unterhalten sie sich, geschieht das immer in ziemlicher Lautstärke... Ich denke, dass die Hörgeräte in Zukunft notwendiges und selbstverständliches Hilfesmittel werden, die Otoplastiken verändern sich ja schon in modisch-schmückender Hinsicht und die Geräte werden technisch immer anspruchsvoller.
Zwei Fragen habe ich noch an Dich, Axel: Du schreibst, dass sich Deine Schwerhörigkeit innerhalb von 5 Jahren verschlechtert hat. Bist Du denn dann trotzdem mit dem ersten Hörgerät klar gekommen? Sicher kann man kaum berechnen, welche Leistungssteigerung so ein Gerät innerhalb der 6 Jahre haben muss, bis es ein Neues gibt.
Und dann schreibst Du, dass Du Otoplastiken hast. Mir kommt es weniger auf Verstecken der HG an, sondern vor allem, dass ich wieder besser Gesprächen folgen kann. Ich bin Brillenträgerin und habe halblange Haare, die ich oft hinter die Ohren streiche. Ja, wie passt dann noch ein Gerät hinter das Ohr? Und ist der Sitz mit einem dünnen Schlauch wirklich optimal? Von einem Bekannten weiß ich, dass er mehrmals ein Gerät verloren hat (auch Brillenträger, aber schon älter), bis er dann auf Otoplastiken umgestellt wurde, die einen sicheren Halt bieten.
gerne stehe ich Dir auf Deinem Weg zu perfekten Hörgeräten zur Seite, ich habe ja, da ich seit 15 Jahren ganztags Hörgeräte trage, ein wenig Erfahrung.
Nein, mit den ersten Hörgeräten kam ich in der Zeit als sich mein Hörvermögen deutlich verschlechterte nicht 5 Jahre aus, ich glaube ich musste nach ca. 3 Jahren zum ersten mal auf stärkere Geräte wechseln.
Die Brillenbügel, passen wenn Du nicht gerade superdicke hast gut mit den Hörgeräten hinter die Ohren, obwohl meine Power Hdo Geräte ja nicht ganz klein sind, habe ich weder mit meiner Lesebrille, noch mit meinen Sonnenbrillen Probleme, falls Du doch welche haben solltest kannst Du das beim Optiker anpassen lassen.
Ja, ich trage von Anfang an Otoplastiken mit dicken Schläuchen und bin damit superzufrieden, Dünnschläuche und Schirmchen habe ich nie getragen, weiß aber von der Anpassungszeit meiner Schwester, dass sie erst Dünnschläuche und Schirmchen probierte, aber auch das Problem hatte, wenn sie sich ihre langen Haare hinter die Ohren strich oder wieder hervorholte, oder ihre Brille auf- oder absetzte , die Geräte manchmal aus den Ohren fiehlen, auch hatte sie beim Mountainbikefahren kein gutes Gefühl. Sie bemängelte auch, das die Schirmchen immer anders im Ohr saßen und das Hörempfinden dadurch immer anders und nie konstant war. Sie hatte sich dann auch für Otoplastiken entschieden und ist sehr zufrieden. Die Otoplastiken fixieren Geräte fest am Ohr, das Hörempfinden ist immer gleich gut und sie können auch bei sportlichen Aktivitäten nicht verloren gehen.
Ich finde auch das Tragegefühl sehr gut, ich hatte Anfangs Ringotoplastiken mit Belüftungsbohrungen, inzwischen trage ich Schalenotoplastiken ohne Belüftungsbohrungen, finde sie sehr angenehm und habe auch kein Verschlusgefühl.
Probier am besten aus, was für Dich am besten ist, wenn es Die aber nicht auf das Verstecken der Hörgeräte ankommt, sondern auf beste Leistung und Funktionalität, dann würde ich an Deiner Stelle auch Otoplastiken wählen.
Viele Grüße
Axel
Hochgradig, an Taubheit grenzend, Schwerhörig
Hörgeräte: Beidseitig Phonak Naida UP
Seit Sommer 2018, durch Unfall, beidseitig Hüftexartikuliert
Vollständig beinlos
Rollstuhlfahrer
ich bin ja dem Zufall sehr dankbar, dass wir uns hier fast zur selben Zeit angemeldet haben - Du ein "alter Hase" und ich ein absoluter "Frischling". Es hilft mir sehr, was Du schreibst und erklärst und auch von Deiner Schwester berichtest. Danke!
Mit dem vielen neuen Wissen, das ich inzwischen in diesem Forum und im Netz erworben habe, wollte ich nicht bis zum Termin bei der HNO-Ärztin warten und bekam kurzfristig einen Termin beim Akustiker bzw. bei einer sehr jungen und sehr angenhemen Akustikerin. Sie führte heute einen Hörtest bei mir durch und auch einen Sprachtest, den ich noch nie zuvor gemacht hatte. Die Hörkurve hat sich im Vergleich zum letzten Hörtest im Februar sichtbar verschlechtert, auf dem rechten Ohr liege ich jetzt genau im "Grenzgebiet" von 30 dB; das linke Ohr dagegen hat sich stärker verschlechtert, immer unter 40 dB mit Ausschlägen bis 60 dB. Hier sagte sie gleich, dass ich ein Hörgerät benötigen würde.
Dann der Sprachtest. Ich musste einsilbige Worte nachsprechen. Mit dem linken Ohr wurde begonnen und ich begriff zunächst nicht, dass das, was ich hörte, wirklich Wörter sein sollten! Das Resultat war, dass ich nicht eines davon richtig verstanden und wiedergegeben habe, sondern nur die Vokale erkannt habe. Das war schon ein kleiner Schock für mich, besonders, als sie die Lautstärke erhöhte und ich plötzlich die selben Worte problemlos verstand. Immerhin, jetzt habe ich die Bestätigung, warum ich zunehmend etwas fasch verstehe.
Mein Problem wird jetzt sein, dass ich wohl nur einseitig ein Hörgerät verschrieben bekomme. Die HGA meinte auch, dass das nicht optimal sei, zumal wahrscheinlich - über kurz oder lang - das andere Ohr auch drankäme und ich mich dann wieder neu- oder umgewöhnen müsse. Mal sehen, was die HNO-Ärztin dazu sagt. Am 20.9. ist der Termin.
Die HGA zeigte mir dann auch verschiedene Geräte und plädierte ebenfalls für eine Otoplastik für den besseren Halt und überhaupt für die gleichbleibende Versorgung. Ein bisschen hatte ich das Gefühl, dass sie verblüfft war, weil ich nicht nach der "kleinsten und unaffälligsten Lösung" gefragt habe.
Die Versorgung mit Otoplastiken entspricht ja auch Deiner knappen aber deutlichen Empfehlung, danke Ohrenklempner!
Dass ich allerdings in Zukunft mit den HG in großer Runde und bei viel Stimmengewirr und Hintergrundgeräuschen wieder alles verstehen werde, ist wohl kaum hinzubekommen. Da hat sie meinen Optimismus etwas gedämpft. Ich bin gespannt.
Danach war ich übrigens beim Optiker, weil ich auch eine neue Brille brauche (ich werde auf dünne Bügel achten!). Und wie zur Bestätigung des gerade Erlebten entwickelte sich ein Missverständnis, weil ich die Dame komplett falsch verstanden habe. Nein, ehrlich gesagt, will ich diese immer auch etwas peinlichen Situationen nicht mehr erleben, sondern hoffentlich bald mit meinen ersten HGs trainieren!