Hallo,
bei meinem Sohn wurde eine leichte HÖrminderung zwischen 20 und 25dzb festgestellt. Die Probleme kommen vom Innenohr. Nun ist es so, dass der Arzt am überlegen ist, ob es sinnvoll ist schon jetzt ein Hörgerät einzusetzen. Nun meine Frage, wie ist es bei Kindern mit emotionalen Störungen und autistischen Zügen, dass vielleicht einige Probleme von dieser Hörminderung kommen und mit Hörgerät besser werden? Kann mir jemand sagen wie ich mir diese geringe Hörminderung vorzustellen habe. Würde mir dies auffallen, wenn ich mich mit ihm unterhalte. Es ist so, dass er manchmal ganz oft nachfragt, und dann gibt es wieder Tage, wo ich nicht den eindruck habe, dass er schlecht hört. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit dass sich eine Hörminderung im Innenohr noch verschlechtert? Leider konnten sie uns in der Klinik nicht sagen, wo genau die Ursache im Inneohr liegt, dass er schlecht hört.
Gruß ClaudiaU
Hörgerät bei 20dzB sinnvoll?
Hörgerät bei 20dzB sinnvoll?
Claudia mit Yannick 10Jahre emotionale Störungen mit sozialer Angst expressive und rezeptive Sprachstörung, Wahrnehmungsstörungen, autistische Züge, leichte Hörminderung.
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Andrea Heiker
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Re: Hörgerät bei 20dzB sinnvoll?
Liebe Claudia,
bei 20 dB sind Hörgerät noch nicht, die Betonung liegt auf NOCH sinnvoll. Hörgeräte werden ab einem mittleren Hörverlust von 25- 30 dB angepasst. Um dazu aber genauer etwas sagen können, muss man die genaue Hörkurve kennen, die solltest Du am besten reinstellen. Bei den meisten Innenohrschwerhörigkeiten ist der Hörschädigung nicht über alle Frequenzen gleich, sondern unterschiedlich. Die meisten hören hohe Töne schlechter als die Tiefen d.h. Hörkurve fällt nach recht ab, einige hören die mittleren Töne am Schlechtesten oder auch am Besten, die haben ein Tal oder eine Badewanne (bzw. einen Berg) in der Kurve. Es gibt aber auch etliche Innenohrschwerhörige, die eine gerade Hörkurve (überall gleich schlecht) haben. Von der Kenntnis der Hörkurve hängt aber ab, ob man Euch zu einem Hörgerät raten sollte oder nicht.
Ich glaube nicht, dass das Verhalten Eures Sohnes sich mit Hörgeräten wesentlich ändert. Bei leichten Hörschäden ist die Verstärkung entsprechend gering und Hörgeräte haben bei so leichten Hörschäden auch einige Nachteile. Man hört das Eigenrauschen derHg , obwohl es da auch welche mit geringen Eigenrauschen gibt. Und durch die Verstopfung des Gehörganges verändert sich die eigene Klangwahrnehmung, insbesondere die eigene Stimme, sowie deutlich stärkere Kau- und Schluckgeräusche. Auch da gibt es einige Lösungen, die die Probleme mindern, jedoch nicht ganz lösen.
Bei fast allen Innenohrschwerhörigen sind die Haarsinneszellen in der Hörschnecke nicht in Ordnung, sie können schon seit Geburt aus welchen Gründen auch immer geschädigt sein, oder aber durch Lärm bzw. ototoxische Medikamente. Bei einigen Medikamente gegen Krebs (u.a. Vincristin) und die sehr starken Antibiotike, die man auf der Intensivstation einsetzt, ist die ototoxische Wirkung auch bekannt. Aber da hat man ja keine andere Wahl. Bei einigen anderen Schwerhörigen wird die Hörschnecke durch Unfälle (bestimmte Formen von Schädel-Basis-Brüchen) oder Meningitis zerstört.
Auch über die Progredienz kann man keinerlei Aussagen machen, bei den einen verschlechtert es sich und bei den anderen nicht. Man sollte einfach einmal im Jahr bzw. bei langer Stabilität auch alle zwei Jahren einen Hörtest machen, um zu sehen, ob man noch gut versorgt ist, d.h. ob man doch Hörgeräte braucht oder vorhandenen Hörgeräte anders eingestellt werden müssen.
Gruß
Andrea
bei 20 dB sind Hörgerät noch nicht, die Betonung liegt auf NOCH sinnvoll. Hörgeräte werden ab einem mittleren Hörverlust von 25- 30 dB angepasst. Um dazu aber genauer etwas sagen können, muss man die genaue Hörkurve kennen, die solltest Du am besten reinstellen. Bei den meisten Innenohrschwerhörigkeiten ist der Hörschädigung nicht über alle Frequenzen gleich, sondern unterschiedlich. Die meisten hören hohe Töne schlechter als die Tiefen d.h. Hörkurve fällt nach recht ab, einige hören die mittleren Töne am Schlechtesten oder auch am Besten, die haben ein Tal oder eine Badewanne (bzw. einen Berg) in der Kurve. Es gibt aber auch etliche Innenohrschwerhörige, die eine gerade Hörkurve (überall gleich schlecht) haben. Von der Kenntnis der Hörkurve hängt aber ab, ob man Euch zu einem Hörgerät raten sollte oder nicht.
Ich glaube nicht, dass das Verhalten Eures Sohnes sich mit Hörgeräten wesentlich ändert. Bei leichten Hörschäden ist die Verstärkung entsprechend gering und Hörgeräte haben bei so leichten Hörschäden auch einige Nachteile. Man hört das Eigenrauschen der
Bei fast allen Innenohrschwerhörigen sind die Haarsinneszellen in der Hörschnecke nicht in Ordnung, sie können schon seit Geburt aus welchen Gründen auch immer geschädigt sein, oder aber durch Lärm bzw. ototoxische Medikamente. Bei einigen Medikamente gegen Krebs (u.a. Vincristin) und die sehr starken Antibiotike, die man auf der Intensivstation einsetzt, ist die ototoxische Wirkung auch bekannt. Aber da hat man ja keine andere Wahl. Bei einigen anderen Schwerhörigen wird die Hörschnecke durch Unfälle (bestimmte Formen von Schädel-Basis-Brüchen) oder Meningitis zerstört.
Auch über die Progredienz kann man keinerlei Aussagen machen, bei den einen verschlechtert es sich und bei den anderen nicht. Man sollte einfach einmal im Jahr bzw. bei langer Stabilität auch alle zwei Jahren einen Hörtest machen, um zu sehen, ob man noch gut versorgt ist, d.h. ob man doch Hörgeräte braucht oder vorhandenen Hörgeräte anders eingestellt werden müssen.
Gruß
Andrea
seit Geburt an Taubheit grenzend schwerhörig, im Alter von zwei Jahren mit zwei Hörgeräten versorgt, seit 2002 ein CI
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Andrea Heiker
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Re: Hörgerät bei 20dzB sinnvoll?
PS: Vorstellen einer leichten Schwerhörigkeit,
Normal laute Umgangssprache wird noch verstanden, flüstern sowie Ansprache aus größere Erntfernung kommen irgendwie undeutlich oder vernuschelt an, da man da nicht mehr alles GENAU hört, d.h. man versteht es auch schlecht. Evtl. beginnen erste Probleme beim Verstehen im Störschall. Es ist schwieriger und man muss sich mehr konzentrieren, wenn man bei Nebengeräuschen etwas verstehen möchte.
Wenn Du Dir Ohropax fest in die Ohren steckst, dann hörst Du etwas so wie ein Schwerhöriger mit einem Hörverlust von ca. 30 dB, vielleicht solltest Du das Ohropax nicht ganz so fest reinstecken und merkst evtl. dann wie Dein Sohn hört.
Normal laute Umgangssprache wird noch verstanden, flüstern sowie Ansprache aus größere Erntfernung kommen irgendwie undeutlich oder vernuschelt an, da man da nicht mehr alles GENAU hört, d.h. man versteht es auch schlecht. Evtl. beginnen erste Probleme beim Verstehen im Störschall. Es ist schwieriger und man muss sich mehr konzentrieren, wenn man bei Nebengeräuschen etwas verstehen möchte.
Wenn Du Dir Ohropax fest in die Ohren steckst, dann hörst Du etwas so wie ein Schwerhöriger mit einem Hörverlust von ca. 30 dB, vielleicht solltest Du das Ohropax nicht ganz so fest reinstecken und merkst evtl. dann wie Dein Sohn hört.
seit Geburt an Taubheit grenzend schwerhörig, im Alter von zwei Jahren mit zwei Hörgeräten versorgt, seit 2002 ein CI
Re: Hörgerät bei 20dzB sinnvoll?
Hallo ihr Beiden,
eure Informationen waren für mich wirklich sehr hilfreich. Die Hörkurve habe ich leider nicht da sie noch beim HNO-Arzt ist. Was mich etwas verwirrt ist, dass der HNO-Arzt dies in Erwägung zieht. Er ist eigentlich ein sehr guter Arzt, keiner der so schnell, ans operieren denkt, wie manch anderer Arzt. Yannick geht ja auch schon in eine Sprachheilschule.
Liebe Grüße ClaudiaU
eure Informationen waren für mich wirklich sehr hilfreich. Die Hörkurve habe ich leider nicht da sie noch beim HNO-Arzt ist. Was mich etwas verwirrt ist, dass der HNO-Arzt dies in Erwägung zieht. Er ist eigentlich ein sehr guter Arzt, keiner der so schnell, ans operieren denkt, wie manch anderer Arzt. Yannick geht ja auch schon in eine Sprachheilschule.
Liebe Grüße ClaudiaU
Claudia mit Yannick 10Jahre emotionale Störungen mit sozialer Angst expressive und rezeptive Sprachstörung, Wahrnehmungsstörungen, autistische Züge, leichte Hörminderung.
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Boudoir
Re: Hörgerät bei 20dzB sinnvoll?
Wenn Du und der Arzt unsicher seid, probiert doch einfach mal für einen Monat Hörgeräte aus. Das kann man bei den meisten Akustiker kostenlos machen.
20-25 dB sind nicht viel, mancher hier wäre sehr glücklich mit so einem Gehör.
Aber ich habe auch schon die Erfahrung gemacht, allerdings bei Erwachsenen, das auch bei solchen 'Bagatell' Hörschwächen durchaus ein Gerät für mehr (selbst-)Sicherheit im Alltag sorgen kann.
Eine Alternative zu Hörgeräten wäre auch ein Edu-Link für Zuhause und in der Schule.
http://www.phonak.com/de/professional/p ... link_p.htm
Wenn Dein Sohn ein Probetragen mit dem einen oder anderen oder sogar beidem mitmachen würde, warum nicht? Schaden kann es auf jeden Fall nicht. Und wenns nichts bringt, dann habt ihr immerhin die Gewissheit.
20-25 dB sind nicht viel, mancher hier wäre sehr glücklich mit so einem Gehör.
Aber ich habe auch schon die Erfahrung gemacht, allerdings bei Erwachsenen, das auch bei solchen 'Bagatell' Hörschwächen durchaus ein Gerät für mehr (selbst-)Sicherheit im Alltag sorgen kann.
Eine Alternative zu Hörgeräten wäre auch ein Edu-Link für Zuhause und in der Schule.
http://www.phonak.com/de/professional/p ... link_p.htm
Wenn Dein Sohn ein Probetragen mit dem einen oder anderen oder sogar beidem mitmachen würde, warum nicht? Schaden kann es auf jeden Fall nicht. Und wenns nichts bringt, dann habt ihr immerhin die Gewissheit.
Re: Hörgerät bei 20dzB sinnvoll?
Also ich weiß von unserer Akustikerin, dass sie auch schon Kinder mit einem geringeren Hörverlust (also knapp unter 20dB) mit HG versorgt hat, bei denen eine Legasthenie vorlag...Interessanterweise war die nach dem Ausgleich dieser "minimalen" Schwerhörigkeit recht schnell überwunden...also war es keine echte Lese-Rechtschreibschwäche sondern tatsächlich eine Schwerhörigkeit und das Kind hat einfach Buchstaben/Wort-Unterschiede nicht ausreichend gehört.
Ich würd es auch ausprobieren wie Boudoir schrieb. Wenn es nix bringt, dann hat es letztlich nur einmal Ohrpassstücke anfertigen gekostet....und die werden zum Glück ja übernommen von derKK .
Und wenn es was bringt, dann vermute ich, dass ihr das sehr bald merken werdet. Ich könnte mir vorstellen, dass euer HNO ganz genau so denkt und ich finds eigentlich toll, dass er sich diese gedanken macht!
Liebe Grüße
Ich würd es auch ausprobieren wie Boudoir schrieb. Wenn es nix bringt, dann hat es letztlich nur einmal Ohrpassstücke anfertigen gekostet....und die werden zum Glück ja übernommen von der
Und wenn es was bringt, dann vermute ich, dass ihr das sehr bald merken werdet. Ich könnte mir vorstellen, dass euer HNO ganz genau so denkt und ich finds eigentlich toll, dass er sich diese gedanken macht!
Liebe Grüße
Birgit +
Christiane 5/86
Claudia 10/92, an Taubheit grenzend,fast blind und....
Cornelia 06/97
Christiane 5/86
Claudia 10/92, an Taubheit grenzend,fast blind und....
Cornelia 06/97
