Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos

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Jominator
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Re: Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos

#26

Beitrag von Jominator »

Danke Dani, für deine Erklärungen. Das klingt plausibel, desillusioniert mich gleichzeitig aber auch etwas. Die Schwerhörigkeit wird ja sicherlich weiter zunehmen. Keine schöne Vorstellung für Audiophile wie mich. :-(

Heute habe ich das Audiogramm erhalten. Zur besseren Vergleichbarkeit habe ich in Photoshop die linke Kurve in das rechte Diagramm hinein kopiert. Was meint ihr? Schlimmer geht immer, richtig?
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Hörtest.jpg
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Und das Kopfhörer-Problem habe ich auch gelöst. Das Routen im Mixer über Aux-Wege wäre vermutlich möglich gewesen, brächte aber auch einige Nachteile mit sich. Jetzt habe ich einfach im Kopfhörer auf der "guten" Seite einen Widerstand in Reihe zum Schallwandler eingelötet.

Da ich fast ausschließlich Sprache abmische und man im Audiogramm ja auch sieht, dass der Abstand im Sprachbereich halbwegs konstant ist, passt das für mich so. Hat auch den Vorteil dass der Kopfhörer an anderen Geräten für mich gut nutzbar ist.

Und dann habe ich noch gute Nachrichten, was Hörgeräteakustiker angeht. Aufgrund eurer "Ketten-Warnungen" habe ich heute bei einem "kettenlosen" Hörgeräteakustiker angerufen. Die Dame am Telefon meinte dass deren Standard-Vorgehensweise folgendermaßen aussieht:

Es gibt einen eineinhalbstündigen Ersttermin mit verschiedenen Messungen. Anschließend gibt es in wöchentlichem Abstand 5 weitere Folgetermine, zwischen denen verschiedenen HG ausprobiert und nachjustiert werden. Das fand ich schon sehr ordentlich und habe gleich den nächsten freien Termin gebucht. Da die sehr viel zu tun haben, ist der erst leider in einem Monat.

Also, es geht doch. Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass es bei den Hörgeräteakustikern solch riesige Unterschiede gibt. Und auch wenn Dani mit ihrer Einschätzung richtig liegt und ich einer Illusion nachjage. Ich muss es wenigstens ausprobieren und erfahren was möglich ist, damit ich meinen Frieden mit der Einschränkung machen kann.
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Ohrenklempner
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Re: Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos

#27

Beitrag von Ohrenklempner »

Hi,

da haben wir leider nur die Luftleitungs-Hörschwelle im Audiogramm. Die sagt allein allein nicht so viel um das "Drumherum" aus. Ich will jetzt nicht bösartig klingen, aber das ist eine ziemlich schlampige Messung. :D
Das Tonaudiogramm würde allerdings schon eins von zwei Kriterien für eine Indikation einer Hörgeräteversorgung erfüllen -- das andere Kriterium wäre das Sprachverstehen für einsilbige Wörter bei 65 dB. Ich wage zu behaupten, dass du da noch besser als die "benötigten" 80% verstehst. Dennoch würde bei diesem Tonaudiogramm ein Hörgerät in jedem Fall eine Verbesserung bringen! Vielleicht hatte die Geers-Kollegin ja einfach keine Lust.

Deine Aussicht auf eine gute Beratung bei einem "richtigen" Hörakustiker freut mich!
Jominator hat geschrieben: 6. Mär 2026, 21:38 Und auch wenn Dani mit ihrer Einschätzung richtig liegt
Psst, Dani ist gar kein Mädchen! :D
...zufällig bin ich Experte auf diesem Gebiet... 🤓

Zu audiologischen Ratschlägen, Anpassberatungen oder Hörgeräte-Offerten fragen Sie nicht mich sondern Ihren Hörakustiker (m/w/d)! 👍
Jominator
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Re: Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos

#28

Beitrag von Jominator »

Ups. Sorry Dani.

Ja, die Messung fand ich auch etwas mau. Für eine erste Einschätzung OK, das war's dann aber auch. Wenigstens kann man der Mitarbeiterin zu gute halten, dass sie einem nichts angedreht hat, von dem sie selbst nicht überzeugt ist.
Dani!
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Re: Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos

#29

Beitrag von Dani! »

Jominator hat geschrieben: 6. Mär 2026, 21:38 Und auch wenn Dani mit ihrer Einschätzung richtig liegt
Psst, Dani ist gar kein Mädchen! :D
Macht ja nix. Mädchen müssen vor allem in technischen Foren mehr als oft genug ertragen, dass sie geehrt werden.

Ich würde mich freuen, wenn Jominator einen guten Kompromiss findet und dann berichten kann. Für Tipps bin ich hier dann doch zu ratlos.
Immer muss man alles selber machen lassen
Dominik
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Jominator
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Re: Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos

#30

Beitrag von Jominator »

Kurzes Update:

Gestern war ich bei KIND, auch eine Kette. Im Gegensatz zu Geers hat der Akustiker zusärtlich zum Audiogramm auch einen Test mit den einsilbigen Wörtern gemacht. Da konnte ich schon einige Defizite erkennen. Allerdings meinte (auch) er, dass meine audiophilen Wünsche schwierig zu erfüllen seinen.

Er empfahl mir ein eher günstiges HG (750 Euro), da dieses zwar keine Superduper-Features hätte, aber dafür ein breites Frequenzspektrum abdecken könnte. Dieses hatte er aber nicht verfügbar. Daher haben wir einen weiteren Termin ausgemacht.

Heute war ich dann bei Seifert, auch eine Kette, allerdings nur in Süddeutschland. Hier wurden noch mehr Tests gemacht und ich habe zum ersten mal ein HG ausprobiert. Ein eher teures Resound für ca. 4.500 Euro. Da die Erkennungsrate der einsilbigen Wörter bei der Referenzlautstärke bei 90 % lag, müsst ich das wahrscheinlich komplett selbst bezahlen, was ich eigentlich auch korrekt finde, da man bei dem Grad meiner Einschränkung ja noch ein halbwegs uneingeschränktes Leben führen kann.

So, wie ist nun mein erster Höreindruck gewesen, falls euch das überhaupt interessiert. Schwer zu beschreiben, aber ihr könnt euch ja vermutlich eh noch an das erste Mal erinnern.

Abgesehen von der Art des Hörens ist mir genau das aufgefallen, was hier schon thematisiert wurde und mir die Akustikern auch gesagt hat. Das Frequenzspektrum reicht einfach nicht weit genug hinauf um den Höreindruck meines gesunden Ohres zu replizieren. Sie hat es versucht, indem sie die hohen Frequenzen angehoben hat, aber dann wurde es zu schrill.

Anscheinend ist bei dieser Art von Breitband-Treibern bei ca. 8 kHz das obere Ende der reproduzierbaren Frequenzen erreicht.

Unten rum das Gleiche. Für die Frequenzen um 250 Hz bräuchte es ihm Ohr eigentlich ein geschlossenes System. Mit diesem hörte es sich aber noch merkwürdiger an. Zwar wird ein Teil des Okklusionseffekts dadurch kompensiert, dass meine eigene Stimme ja auch reproduziert wird, aber der Höreindruck war schon schräg. Und das Hören von Musik aus Lautsprechern bringt auch keine spürbare Verbesserung

In den nächsten Tagen werde ich versuchen mich an das HG zu gewöhnen. Aber aktuell gefällt mir mein eingeschränkter Höreindruck ohne HG noch besser als mit HG. Zumindest mit diesem.
777
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Re: Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos

#31

Beitrag von 777 »

Mit Seifert in Ottobrunn habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Der dortige Filialleiter gab sich große Mühe und ich konnte über einen langen Zeitraum 6 oder 7 HG testen.

Letztlich kannst nur du entscheiden, ob dir HG was bringen. Wenn auch nicht für deine audiophilen Bedarfe, dann vielleicht um die inzwischen leise gewordenen Töne wieder zu hören.
Ja man tut sich schwer ein HG zu tragen, wenn man den Sinn und Effekt nicht 100%ig erkennen kann. Gerade wenn man es im Alltag (noch) nicht wirklich benötigt, verdrängt man den Gedanken daran sehr schnell, was ich durchaus nachvollziehen kann.
Moin Moin und viele Grüße aus dem nördlichsten Bundesland :wave:
svenyeng
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Re: Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos

#32

Beitrag von svenyeng »

Hallo!

HGs sind Hörhilfen und können das natürliche, menschliche Gehör nicht wieder herstellen.
So hart das klingt, aber ich fürchte Du wirst den Job als Tontechniker aufgeben müssen.
Denn wie willst Du nen vernünftigen Mix hinbekommen?

Grade vorletztes Jahr war ich auf einem Konzert in einem Stadion.
Was der Tontechniker da verzapft hat, ging absolut nicht.
Vor allem die Lautstärke. Der muss fast taub gewesen sein.

Gruß
sven
svenyeng
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Re: Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos

#33

Beitrag von svenyeng »

Hallo!

HGs sind Hörhilfen und können das natürliche, menschliche Gehör nicht wieder herstellen.
So hart das klingt, aber ich fürchte Du wirst den Job als Tontechniker aufgeben müssen.
Denn wie willst Du nen vernünftigen Mix hinbekommen?

Grade vorletztes Jahr war ich auf einem Konzert in einem Stadion.
Was der Tontechniker da verzapft hat, ging absolut nicht.
Vor allem die Lautstärke. Der muss fast taub gewesen sein.

Gruß
sven
gereon
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Re: Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos

#34

Beitrag von gereon »

svenyeng hat geschrieben: 13. Mär 2026, 09:01 Grade vorletztes Jahr war ich auf einem Konzert in einem Stadion. Was der Tontechniker da verzapft hat, ging absolut nicht.
Vor allem die Lautstärke. Der muss fast taub gewesen sein.
Stadien sollen ja akutisch nicht so einfach bzgl. Konzerte zu beschallen sein. Ich war bisher noch nicht zu einem Konzert in einem Stadion gewesen und bin daher mal gespannt wie der Sound bei 50 Jahre BAP im Stadion in Köln sein wird.
Hochgradig schwerhörig (rechts), links an Taubheit grenzend schwerhörig, Schwerhörig seit Geburt, aber Hörschädigung erst mit fünf festgestellt. Zeit Mai 2021 mit Phonak Naida Marvel 30 SP versorgt
Jominator
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Re: Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos

#35

Beitrag von Jominator »

Mit Seifert in Ottobrunn habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Der dortige Filialleiter gab sich große Mühe und ich konnte über einen langen Zeitraum 6 oder 7 HG testen.

Bei mir war es ebenfalls die Filialleiterin. Das Engagement kann ich definitiv bestätigen. Wenn das der Standard bei Seifert ist, kann man diese Kette absolut empfehlen.

Du wirst den Job als Tontechniker aufgeben müssen. Denn wie willst Du nen vernünftigen Mix hinbekommen?

So drastisch sehe ich das nicht. Bands werde ich vermutlich eh nie mehr abmischen. Aber für Sprache reicht es noch locker. in den akustisch schwierigen Räumen in denen ich vorwiegend arbeite, geht es meist nur darum Feedbacks zu verhindern, weil die Deutschen nicht lernen wie man ein Mikrofon in der Hand hält. Das ist echt traurig.

Letztes Jahr zur IAA Mobility Messe in München hatte ich den Marken-Vorstand eines deutschen Auto-Konzerns am (Hand)Mikro. Der hielt das Teil vor den Bauch während er sprach. Ist das zu fassen? Und die ganzen Assistenten schauten mich an, weil man ihn kaum hörte, anstatt dem mal zu erklären wie man ein Mikrofon hält. Kann man sich echt nicht ausdenken, so was.

Was der Tontechniker da verzapft hat, ging absolut nicht. Vor allem die Lautstärke. Der muss fast taub gewesen sein.

Was Live und in Clubs für Schalldrücke reproduziert werden ist tatsächlich abenteuerlich. Ich habe selber Jahrzehnte lang Clubs betreut. Aber während des Betriebs hatte ich mit immer Stöpsel in die Ohren gesteckt. Die Lautstärke der Musik ist bei guten Lautsprechern und ordentlichem Quellmaterial u. U. sogar noch erträglich. Als am schlimmsten fand ich immer das Geschrei der Menschen die sich mit einem unterhalten. Das muss die Musik ja noch übertönen.

Meine Empfehlung, wenn keine Stöpsel zu Hand sind, Toilettenpapier nass machen, Kugel in passender Größe formen/pressen und in den Gehörgang stecken. Klingt am Anfang recht dumpf. Aber man gewöhnt sich dran. Zumindest ging es mir so. Und das Beste: Wenn man aus dem Club geht und die Stöpsel oder sonst was aus dem Ohr nimmt und die Blätter rascheln hört.
Dani!
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Re: Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos

#36

Beitrag von Dani! »

gereon hat geschrieben: 13. Mär 2026, 09:05
svenyeng hat geschrieben: 13. Mär 2026, 09:01 Grade vorletztes Jahr war ich auf einem Konzert in einem Stadion. Was der Tontechniker da verzapft hat, ging absolut nicht.
Vor allem die Lautstärke. Der muss fast taub gewesen sein.
Stadien sollen ja akutisch nicht so einfach bzgl. Konzerte zu beschallen sein. Ich war bisher noch nicht zu einem Konzert in einem Stadion gewesen und bin daher mal gespannt wie der Sound bei 50 Jahre BAP im Stadion in Köln sein wird.
Ich war sowohl bei Metallica als auch Guns'n'Roses sowohl in einem Fußball Stadion (HSV bzw FCB) als auch in einem mehr oder weniger offenen Stadion (Olympiastadion München). Ich kann das absolut bestätigen: Großes typisches Fußball Stadion ist für Konzerte grottig. Wobei beide Male der Techniker im Lauf der Konzerte nachjustiert hatte, es blieb Käse.
Immer muss man alles selber machen lassen
Dominik
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svenyeng
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Re: Bin nach dem Besuch bei Geers ratlos

#37

Beitrag von svenyeng »

Hallo!

Also bei mir war es Roland Kaiser in der Heinz von Helden Arena.
Es war so laut das ich es ohne HGs nicht aushalten konnte. Es blieb nur Finger in die Ohren, nur dann hört man nicht mehr richtig.
Und ja, Stadien akustisch schlecht, da so gebaut das Fangesänge von dem Tebünen sehr gut aufs Feld gehen.
Trotzdem muss man nicht so eine gewaltige Lautstärke fahren.

Habe mich beim Veranstalter danach per Email beschwert.
Konnte mir dann als Entschädigung 2 Karten für ein Konzert meiner Wahö aus dem Portfolio des Veranstalters aussuchen.

Gruß
sven
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